Vereinschronik seit der Gründung im Jahr 1923

Gründungsfoto aus dem Jahre 1923

Bereits in den frühen Jahren nach dem 1. Weltkrieg neigten vor allem die jungen Leute dazu, sich durch Musik und Tanz bei Laune zu halten. Es waren eben damals jene Freizeitmöglichkeiten, die geboten wurden. Der Fellner Poidl und der Koal Sepp fuhren schon einige Zeit früher nach Breitbrunn, um dort die ersten Schuhplattler zu erlernen. So war es möglich, 1923 den Trachtenverein Rimsting zu gründen, wobei der Fellner Poidl der Hauptantreiber war.

 

Aus dem Gründungsprotokoll ging folgende Vorstandschaft hervor:

Vorsitzender: Schuster Sebastian
Beisitzer: Frommwieser Simon

Schriftführer: Schneider Heinrich, Ablinger Ulrich

Kassier: Fellner Benno

Fähnrich: Oster Josef

1.Vorplattler: Fellner Poidl

2.Vorplattler: Langl Josef

 

Als Vereinslokal wurde bald das Gasthaus Ludwigshöhe gewählt, wo der Verein viele Jahre seine Heimat für Hoargarten, Musik und Theater gefunden hat.

Bereits im Juni 1924 fand beim Schörgenhuber die erste Fahnenweihe statt, bei der die Hittenkirchener Trachtler als Patenverein zur Seite standen. Nach zwischenzeitigen Unstimmigkeiten wurden dann der Fellner Poidl 1931 zum Vorstand und Simon Frommwieser zum Schriftführer gewählt. Im Dritten Reich wurde es für die Vereine immer schwieriger ihr Wirken fortzusetzen. Durch die KdF- Bewegung konzentrierte man sich besonders darauf die menschlichen Kontakte zu pflegen und die Politik etwas hinten anzustellen, um fröhliche, zünftige Stunden mit den weithergereisten Gästen zu verbringen. Bei den Begrüßungs- und Abschiedsabenden wurden schneidige Plattler und Trachtentänze der Aktiven Dirndl und Buam zum Besten gegeben. Manche Gäste waren sogar so beeindruckt, dass sie hier ihre neue Liebe fanden. Schon damals war zu sehen, dass auch in finanziell schwierigen Zeiten - wie auch heute noch - Idealisten gesucht waren, die selbstlos ihre Freizeit für das Vereinsleben opferten.

 

Während der Kriegsjahre kam das Vereinsleben dann kurzzeitig zum Stillstand. Nach dem Krieg konnte Franz Fritz als damaliger Vorstand den Verein wieder neu beleben. Unterstützung bekam er von Franz Steinberger u. Hans Werndl als 1. u. 2. Vorplattler. Im Herbst 1948 wurde dann der damals 24-jährige Hans Feichtner zum Vorstand gewählt, Jakl Huber sein Stellvertreter, Georg Schleicher als Schriftführer und Wastl Scherer zum Kassier.

 

Jung Rimsting grüßt Euch liebe Buam, im weiten ferna Land,

ans Denkmal legt Euch jetzt an Gruaß, a kloane Kinderhand.

Den Lorbeerkranz habt´s Ihr verdient, als Soldaten an der Front,

was mia net kenan in der Tat, hat Euch der Herrgott g´lohnt.

Für unser Hoamat habt´s Ihr kämpft und alles für sie geb´n,

jetzt schlaft´s recht guat im fremden Land, im Herzen da sollt´s leb´n.

 

Unseren gefallenen Trachtenbuam gewidmet zum 25-jährigen Gründungsjubiläum, vorgetragen von den drei kleinen Trachtenmädeln: Resa, Maria und Jutta Fellner.

 

Der frisch zum Vorstand gewählte Hans Feichtner brachte mit viel Liebe und Begeisterung die Volksmusik, den Gesang, das Theaterspielen und die Geselligkeit wieder zum Erblühen. Diese Wurzeln sind bis heute noch fest verankert und der jungen Generation auch stets Ausdruck für Ansporn und Motivation.

Ein besonderes Fest für die ganze Gemeinde war die Weihe der neuen Fahne, die im August 1968 zum Anlass des 45-jährigen Gründungsjubiläums mit einem Feldgottesdienst und sehr zahlreicher Beteilungung vieler Trachtler im Festzelt gefeiert wurde. Der G.T.E.V. „Ratzingerhöh" Greimharting übernahm die Patenschaft.

Seit 1969 veranstaltet der Verein jährlich das traditionelle Seefest an der Strandanlage, das bisher fast ohne Unterbrechung ausgetragen werden konnte. Georg Heindl, der 1980 das Amt des ersten Vorsitzenden übernahm, versteht es seither immer wieder, mit seinen vielen freiwilligen Helfern ein gelungenes Fest zu organisieren. Die Strandanlage an der Prienmündung wurde damals unter Erwägung dieser Veranstaltung zugänglich gemacht und zur heutigen Freizeitanlage umfunktoniert. Neben den Trachtentänzen, Schuhplattlern, Goaßlschnalzern, Blasmusik und einer Vielzahl von Köstlichkeiten gehört das Brillantfeuerwerk nach wie vor zu den Hauptattraktionen.

Die Blasmusikkapellen aus den verschiedenen Nachbargemeinden spielen in bewährter Weise für die Kinder-, Jugend- und Aktivengruppe zum Tanzen und Platteln auf. Der Besuch der ca. 4000 bis 6000 Gäste jährlich ermöglicht dem Verein auf einer finanziell soliden Basis weiterzuarbeiten und wieder sinnvoll und zielgerecht zu investieren. An dieser Stelle ist der Gemeinde Rimsting gedankt, die den herrlichen Platz zur Verfügung stellt.

Die Trachtenfeste zum 60-jährigen Vereinsjubiläum 1983, zum 65-jährigen Gründungsfest 1988 und zum 75-jährigen Jubiläum 1998 zählen bisher zu den Höhepunkten in der Geschichte des G.T.E.V. „Ludwigshöhe" Rimsting.

 

Das Theaterspielen, die Volksmusik und der Gesang haben in Rimsting bereits eine große Tradition. Schon 1995 konnte man auf 100 Jahre Theaterspielerei zurückblicken. Geschichtlicher Beginn war im Jahre 1895 beim Spöckbacher in Schafwaschen. Der damalige Theater- und Schützenverein spielte ausschließlich Einakter, da keine Bühne zur Verfügung stand. Später hat sich die Theatergesellschaft dem Trachenverein angeschlossen und man kam in den Genuß der neu erbauten Bühne im Gasthaus Ludwigshöhe. Die Kulisse wurde vom Rimstinger Künstler Albert Aibach gemalt, dessen Erbe später von Anderl Schleicher übernommen wurde.

In einem unvergesslichen und eindrucksvollen Unterhaltungsabend anläßlich der 100-jährigen Theaterei in Rimsting blickte der Ehrenvorstand Hans Feichtner gerne an die Anfänge zurück. Gemeinsam mit der Laienbühne wurden die Einakter "Die Brautschau" von Ludwig Thoma und das "Christbaumbrettl" von Karl Valentin inszeniert. Das Singspiel "Eine fidele Gerichtssitzung" gespielt von Hans Feichtner, Alois Frank und Heinz Steinberger sowie Wolfgang Bachleitner am Klavier trieb die fantastische Stimmung auf den Höhepunkt.

 

Die Theaterleidenschaft fand bis zur heutigen Generation keinen Abriss. Der traditionelle Vereinshoagart im Herbst verbindet sehr harmonisch die Stubenmusik, den Gesang, das Theater und die Geselligkeit im Verein. Durch das Programm führte bis Ende der 80er Jahre Franz Zipfer.

Aus dem volkstümlichen Wirken des Trachtenvereins gingen auch die Rimstinger Sängerinnen (Ursl Heindl, Traudl Langl, Heidi Zipfer) hervor, die über 30 Jahre mit ihren unvewechselbaren Stimmen einen unvergleichlichen Einklang bilden. Auch die Rimstinger Sänger (Hans Feichtner,  Franz Zipfer, Konrad Feichtner, Alois Frank, Georg Schleicher und Georg Fischer an der Zither) fanden über

20 Jahren treue Anhänger auch über die Grenzen der Gemeinde hinaus.

Maiandachten, Hoargarten, Englämter, Adventfeiern, Geburtstags- und Jubiläumsfeiern sowie unzählige kirchliche wie vereinsinterne Veranstaltungen wurden von den Sängerinnen und Sängern musikalisch umrahmt.

 

Aus Altersgründen mussten die Rimstinger Sänger mehr und mehr ihre öffentlichen Auftritte reduzieren. Ein neue Formation des Männergesangs bildete sich dann im Jahre 1996. Auf Initiative von Hans Pichler, Raimund Steinberger, Markus Dettendorfer, Paul Obermaier und Hannes Ettenhuber aus Lienzing konnte die Tradition und Begeisterung zum Gesang in Rimsting zum Glück wieder fortgesetzt werden. Und so war es dann, dass ab dem Jahre 1998 bis heute wieder Hoargarten, Maiandachten und Engelämter von den Sängern musikalisch gestaltet werden. Seit dem Jahr 2002 singen die Rimstinger Sänger in der heutigen Besetzung mit Christian Axmann, Raimund Steinberger, Hannes Ettenhuber sowie Markus Dettendorfer. Der Gewinn des Traunsteiner Lindls 2004 wie auch die CD Produktion 2007 waren für die jungen Sänger die bisherigen Höhepunkte. Der Verein und auch das gesamte Dorf sind froh, dass diese fest in Rimsting verankerte Tradition wieder weiter gelebt wird. Auch der Rimstinger Dreigsang mit Anneliese Kunsler, Elisabeth Stögmüller sowie Raimund Steinberger ging im Jahre 2007 aus den Reihen des Trachtenvereins hervor.

 

Mit Elisabeth Stögmüller hat der Verein eine ausgebildete Volksmusikerin, die es immer wieder versteht, für musikalischen Nachwuchs zu sorgen.  

 

Das Rimstinger Adventsingen hat mit Untersützung des Trachtenvereins wieder seinen festen Platz in Rimsting gefunden und wird seit 2005 im 2-Jahres-Rhythmus gemeinsam mit dem Kirchenchor in der Pfarrkirche veranstaltet. Hierbei ist es immer wieder ein großes Anliegen, die musikalische Besetzung aus heimischen Gruppen zu bilden.

 

Der traditionelle Vereinsausflug, der seit 1955 jährlich zu den Höhenpunkten gehört, wurde über 50 Jahre von Konrad Feichtner in akribischer Weise vorbereitet und organisiert. Viele unvergessliche Teilnehmer sowie wunderbare Erlebnisse lassen immer wieder gerne zurückblicken.

 

Ab 1998 führte Hans Pichler die Geschicke des Vereins bis ins Jahr 2018. In einer schnelllebigen Medienlandschaft, in der die Menschen mit unzähligen Freizeitangeboten überflutet werden, hat es ein Trachtenvorstand sicherlich nicht leicht Menschen für die MItarbeit und das Engagement im Verein zu ermutigen. Mit unermüdlichem Einsatz und Begeisterung gelang es ihm jedoch ein ums andere Mal, den für den Ort so wertvollen Traditionsverein in seinen Aufgaben zu stärken.

 

2013 durfte der GTEV Ludwigshöhe sein 90-jähriges Gründungsfest feiern. Ein Bieranstich, ein Festabend und ein wunderschöner Festsonntag mit Feldmesse bei traumhaften Sommerwetter besiegelten die Feierlichkeiten.

 

Im Jahr 2014 begannen die Bauarbeiten des neuen Vereinsstadls, da das alte Feuerwehrhaus - bisheriges, zentrales Lager des Trachtenvereins - einem Turnhallenneubau weichen musste. Im April 2015 konnte der neue Stadl bezogen werden.

 

Als ein Kulturträger des Ortes und des Dorflebens erfüllt der Trachtenverein das Jahr hindurch eine Vielzahl von Aufgaben und Erwartungen in der Gemeinde wie auch außerhalb. Das bedeutet für die ca. 270 aktiven wie passiven Mitglieder sich zu engagieren, zu organisieren und mitzuarbeiten. Lobenswert hierbei ist das Verständnis der Ortsvereine untereinander und die gegenseitige Hilfsbereitschaft.

 

Die Kinder- und Jugendarbeit sowie der Zusammenhalt der Aktivengruppe lassen auch in den letzten Jahren positiv nach vorne blicken. So liegt es am Verein - als Motivator und Vorbild - die wichtigen und wertvollen Aufgaben im Dorf immer wieder an die Jungen weiterzugeben und so für Erneuerung und Entwicklung zu sorgen.

Vereinsbild 2013, anlässlich des 90-jährigen Gründungsfestes
Vereinswappen